Alexander Moosbrugger

zBreagaz Kuenstler Alexander Moosbrugger

*1972 in Schoppernau, seit 2001 in Berlin lebend;
Komponist, Organist, Musikkurator
Cembalo-, Orgel- und Philosophiestudien (Landeskonservatorium Vorarlberg, Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, Universität Wien, HU Berlin).

Preise/Stipendien (Auswahl): Internationaler Bodenseepreis Sparte Zeitgenössische Komposition 2003; Österreichisches Staatsstipendium für Komposition 2008; Kompositionsstipendium des Landes Vorarlberg 2008/09; Künstlerresidenz im Palazzo Barbarigo della Terrazza Venedig 2013, vergeben durch den deutschen Kulturstaatsminister Bernd Neumann.

Forschungsaufträge/Dozententätigkeit/Gastvorlesungen: Orpheus Instituut Gent, Bruckner-Universität Linz, UdK Berlin. Aufführungen in Europa (u.a. im Konzerthaus Berlin oder Radialsystem Berlin) und den USA.

Interpreten seiner Werke: Klangforum Wien, ensemble recherche, Ensemble Phoenix Basel, Kammerensemble Neue Musik Berlin, Ensemble Cairn Paris, musikFabrik Köln, Arditti String Quartet, Pellegrini Quartett, Herbert Henck.


In Perfection
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12 min 14 sec

Ton
Folien für „books“ – ein Klavier-Encore-Stück von 2005, uraufgeführt durch Herbert Henck – sind Titel, Notizen, Buchrückseiten und Materialien aus Bachs b-Moll Fuge, BWV 867. Akkorde und die Resonanzen darauf, stumm gehalten, werden zu Beginn in einer Umgebung versammelt, die Bewegung und Kontinuität etabliert – sacht, unthematisch, mehr vor dem Hintergrund einer ästhetischen Null. Geschuldet einer Art Rücksicht auf Darstellbarkeit stellen die Akkorde Materialien aus jeweils mehreren Takten der Fuge clusterartig vor, kontrapunktische Aktionen auf einen Schlag. (…) In den Takten 22 bis 50, una corda, steht es dem Interpreten offen, einzelne Klaviersaiten zu präparieren, die Resonanzen mit einem schweren Buch etwa oder Bleiquader zu dämpfen, ein zweites Klaviermanual zu schaffen. (…) Part 3 kontextualisiert musikalische Sprachmodi hinsichtlich Rhythmik und kleingliedriger motivischer Arbeit – kühl, exakt, spielerisch, kraftvoll. Ein konzentrierter Blick in die Regale, auf Buchrücken nimmt einzelne, unzusammenhängende Titel wahr, jeder steht für eine Interpretation, für Inhalte, Ideenwelten. (…) Einen direkten Bezug zur Bachschen Fuge gibt es ab Takt 101. Der Beginn der Fuge bis zur Fünfstimmigkeit tritt dynamisch abgeschwächt auf den Plan, quasi staccato als 16tel notiert, versetzt in den Stimmlagen und frei in der Zeit. Einzelne Noten werden ausgespart. Die Thematik ist ansatzweise zu fassen, mehrere Passagen lassen die Motive durch forte-Einschub verschwinden und nehmen akustisch teil an energetischen, organischen Störungen. Dies wird, mit kontrapunktischen Techniken versehen, zweimal gezeigt. Part 4, ad libitum, wieder una corda, avec discretion, reicht dann das Bachsche Praeludium im Original nach, in einer vertikalen Verschiebung um je ein 8el beginnend mit Tenor, dann Alt, dann Sopran. Die Vierstimmigkeit wird hypothetisch gesetzt zugunsten eines Engagements für die Mittelstimmen.
(Alexander Moosbrugger)

Bild
Das Video zeigt Arturo Benedetti Michelangeli, Beethoven (op. 111) und Brahms (Vier Balladen) spielend, überbelichtet, farb- und zeitverändert.